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Der Schweizer Jugendchor probte in Sursee und Visp für seine Auftritte im Frühjahr 2016. Anna-Barbara Winzeler, Mitglied im SJC, gibt Einblicke in diese Phase der intensiven Vorbereitung. Ernten konnte der SJC die Früchte dieser Arbeit unter anderem in Schaffhausen und am 10. EJCF in Basel.

Rückblick: Der SJC an der Arbeit

Die SJC-Altistin Anna-Barbara Winzeler (auf dem Bild in der unteren Reihe die 9. von rechts) schildert uns ihre persönlichen Eindrücke zu den Proben des Schweizer Jugendchors 2016.

Der Schweizer Jugendchor übte in Visp sein Frühjahrsprogramm ein

Probeweekend in Sursee Anfang 2016: «Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten» (Aristoteles)

Was für die Schweizer Fussballnationalmannschaft (noch) der Schweizerpsalm ist, dürfte für den FC Liverpool der Song «You’ll never walk alone» sein. Dort heisst es: Walk on, with hope in your heart, and you’ll never walk alone.

Obwohl wir am Probeweekend nicht Fussball spielen, sondern als U26-Gesangsmannschaft auftreten, könnte man unser erstes Probeweekend sehr schön mit diesem Stück aus dem neuen Repertoire zusammenfassen, wenn man das Wort «walk» mit «sing» austauscht.

Dennoch beginnt jedes Probeweekend mit einem kleinen «walk» vom Bahnhof Sursee bis zum Probelokal im Campus, schon auf dem Weg findet das erste grosse Wiedersehen oder – im Falle der Neuen – die erste kleine Annäherung statt. Die anfängliche Schüchternheit schwindet jedoch schnell, wenn die Probe anfängt, denn fortan tun wir das, was wir alle am besten können. Und das sind die drei grossen S: Singen, Schwätzen (natürlich nur während den Pausen) und sehr viel Spass haben.

Unsere neuen Leiter Nicolas und Philippe und die drei Assistenten Francesco, Jonas und Mauro jagen uns einmal quer durch das ganze Programm, das etwa fünf Jahrhunderte Musikgeschichte von Schütz über Mahler bis zu den Beatles in einer Wunschzeit von etwa anderthalb Stunden komprimiert. So abwechslungsreich es ist, so fordernd ist es auch. Und das macht richtig gute Laune. Genauso wie die obligatorische entspannte, aber musikreiche Abendrunde, bei der unseren Neuen das Repertoire der letzten Jahre kennenlernen und die Bisherigen es wiederentdecken.

Müdigkeit am nächsten Morgen? Ein Kaffee und ein Lied, dann sind alle wach und bereit, weiter zu proben. Genauso bereit, das Ende des Singens nicht mit dem Ende der Probe gleichzusetzen, denn singen, das kann man überall. Auch im Zug, mit der Vorfreude auf das nächste Wochenende im Februar.

Und so können wir uns getrost versprechen: «We’ll never sing alone».

 

Eindrücke der Probewoche in Visp

Ein Rätsel zu Beginn: Was hat 104 Beine, hüpft um neun Uhr morgens motiviert in der Gegend herum und macht seltsame Geräusche? Es ist der Schweizer Jugendchor beim Einsingen! Oder bei der «mise en voix», je nach dem, schliesslich sind Vertreter aller Landesteile anwesend.

Der Röstigraben zieht sich hin und wieder auch durch den Jugendchor, zumindest bei der alljährlichen Vergabe des Titels «Mr/Miss SJC», bei dem angeblich hauptsächlich in der eigenen Sprachregion gewählt wird, ansonsten bleibt man allerdings nicht allzu kantonal.

Wie wir zu sagen pflegen: «En français, c’est toujours la même chose.» Immer die gleichen Stücke, immer die gleichen Dirigenten, immer die gleichen Dinge zu bemängeln. Immer die gleichen Verbesserungen. Immer die gleiche ausgelassene Stimmung abends. Ist das langweilig? Niemals. Nur sehr, sehr grossartig. So grossartig, dass man sich unglaublich auf die ersten Konzerte freut: Sursee, Schaffhausen, Basel – wir kommen!

(Sie werden schon hören, wenn wir ankommen... keine Sorge.)

Musikalische «Ernte» Nr. 1: Beeindruckende Darbietung in Schaffhausen

Jugendliche Frische und hohe Chorkultur

Konzertbesprechung von Gisela Zweifel-Fehlmann

Der Traum jeden Chorleiters ist ein Chor, der mit universalem musikalischem Können unbegrenzte Möglichkeiten bietet. So wie der Schweizer Jugendchor.

51 fortgeschrittene junge Sängerinnen und Sänger zwischen 16 und 25 Jahren aus der ganzen Schweiz rissen unter dem Nachwuchsdirigenten Philippe Savoy das zahlreiche Publikum in der Kirche St. Johann zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Ihr Programm bestand aus a cappella-Chorliteratur quer durch die Stilepochen von Renaissance/Barock über Romantik/Moderne bis zu populärem Schweizer Liedgut und «Rhythm and Song». Gastgeber war der kantonale Chorverband Schaffhausen, dessen Kantonaldirigentin Vreni Winzeler das Konzert zusammen mit ihren FrauenChorFrauen charmant umrahmte und kommentierte.

Hohes Können und Originalität

Auch sie durften sich wahrlich hören lassen. Mit zwei Stücken aus ihrem Programm für den Concours national Montreux, sowie einer witzigen «Schweizer Rhapsodie» über Ortsnamen, versetzten sie das Publikum schon zu Beginn in beste Laune. Die Sängerinnen zeigten Begeisterung und überlegene Leichtigkeit. Dies besitzt auch der Schweizer Jugendchor (mit dabei als einzige Schaffhauserin Vreni Winzelers Tochter Anna-Barbara) in hohem Mass.

Seit 22 Jahren konzertiert der SJC in jährlich wechselnder Besetzung mit neuem Programm im In- und Ausland. Dessen fortgeschrittene SängerInnen geben hierfür einen grossen Teil ihrer Freizeit. Sie bereiten ihre Partituren zuhause vor, um an zwei Intensivwochenenden zu-sammen mit hochqualifizierten Dirigenten, einer Stimmbildnerin und einem Choreographen die Interpretation zu erarbeiten. So erreicht der Chor sein aussergewöhnlich hohes Niveau und leistet einen entscheidenden Beitrag zum Nachwuchs an professionellen SängerInnen, DirigentInnen, MusiklehrerInnen und KomponistInnen.

Vokalkunst gekonnt dargeboten

Erstens der Chorklang: ausgeglichen und von höchster Reinheit. Die Alte Musik von de Victoria, Purcell und Schütz erklang mit differenzierter Lebendigkeit. Auffallend schön waren die den Frauen-stimmen ebenbürtigen, sonoren Männer-stimmen. Sinnliche Wärme prägte den spätromantischen Klang bei Mahler und Britten, wunderschön schwerelos waren die schwebenden Frauenstimmen bei Debussy. Stimmgewaltige, innige Männerchöre mit Tenorsolo gestalteten die Gebete des heiligen Franziskus von Poulenc. Zweitens die kunstvoll originellen Vertonungen von Schweizer Volksliedern: sie wurden zu neuen Hörerfahrungen, mit schönen Solostimmen und jazzigem Saxophonsolo. Drittens die Showelemente: amerikanischer Swing mit lasziven Bewegungen und zündendem Rhythmus sowie showreif dargestellte, inbrünstig gesungene Spirituals und ein Popsong. And last but not least: das «Munotglöggli» im Gesamtchor der Jugendlichen zusammen mit den hingerissenen Schaffhausern!

Musikalische «Ernte» Nr. 2: Der SJC am Europäischen Jugendchorfestival Basel

Einer der Höhepunkte sowohl für den Schweizer Jugendchor als auch für das Publikum am 10. Europäischen Chorfestival in Basel waren die Auftritte des Schweizer Jugendchors. (Link zum Artikel). Welche Erlebnisse bei den Mitgliedern haften geblieben sind, verraten sie gleich selbst:

 Das 10. Europäische Jugendchorfestival 2016 aus der Sicht der Sängerinnen und Sänger des SJC

Das Festival war wahnsinnig toll. Die Begegnungen mit Sängerinnen und Sängern aus anderen Kulturkreisen waren sehr bereichernd. Die Woche bestand aus kurzen, intensiven Proben und gut besuchten, abwechslungsreichen Konzerten.
Daniela Kuster

Die EJCF-Tage waren viel zu schnell vorbei. Es bleiben wunderschöne Erinnerungen an musikalische, interkulturelle und sonnige Tage in Basel sowie natürlich ausgetauschte Adressen von anderen jungen Sängern und Sängerinnen aus der ganzen Welt.
Käthi Burkart

Es war sehr inspirierend und bereichernd, die Vielfalt Europas kennen zu lernen und Freundschaften zu schliessen, die über die Landesgrenzen hinaus gehen! Die Offenherzigkeit zwischen den Sängerinnen und Sänger war schlicht und einfach ergreifend.
Afra Hämmerli

Ein unglaublich tolles Festival, das uns allen in Erinnerung bleiben wird. Das hohe musikalische Niveau, das sonnige Wetter und vor allem auch der Austausch mit den anderen Chören, mit denen wir singen durften, gefielen mir sehr.
Nicolas Wagner

Noch nie hatte ich in so kurzer Zeit so viele unvergessliche Erlebnisse – musikalisch wie freundschaftlich!
Josi Sieber

Trotz den vielen unglaublichen Konzerten sind für mich die Momente neben diesen noch fast wertvoller. Singen auf dem Rhein bei einer Schiffsfahrt mit Georgien, der Türkei und vielen anderen, am Abend den Feierabend geniessen beim Improvisieren mit unseren neuen Freunden aus Istanbul am Ufer des Rheins oder Singspiele mit den russischen Mädchen. Wir waren für ein Wochenende eine grosse Familie – das ist, was für mich das Chorleben so besonders macht.
Charlotte Müller

Die vergangene Woche war zwar streng, aber ich habe sie sehr genossen. Wir durften viele verschiedene Kulturen kennenlernen, mit grossartigen Chören singen und ihnen zuhören.
Alessia Meyer

Das EJCF hat uns nicht nur ermöglicht mit Chören aus ganz Europa zusammen zu singen, sondern auch deren Kultur und Musik kennenzulernen sowie  Freundschaften zu schliessen. Überall in Basel und Umgebung durften wir in grossartigen Locations nicht nur unser eigenes Repetoire, sondern auch extra arrangierte Stücke präsentieren. Für mich haben es die ausgelassene Stimmung, die schöne Musik überall auf den Strassen, in Restaurants und Trams und die Begeisterung der Konzertbesucher ausgemacht.
Jenny Pfeiffer

Das EJCF 2016 hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich die Musik so liebe und dass die Entscheidung, mich für das Vorsingen des SJC anzumelden, definitiv eine der besten meines Lebens war. Es war eine tolle Erfahrung, mit anderen Sängern aus ganz Europa zusammenzuarbeiten und die verschiedenen Gesangstechniken zu kombinieren, um so völlig neue Klangfarben zu entdecken.
Isabel von Ah

Meine eindrücklichste Erfahrung am EJCF war die Zusammenarbeit mit dem «Bogaziçi Jazz Choir» aus der Türkei. Die Sängerinnen und Sänger haben uns ihre Musik nicht nur vorgetragen, sondern uns eingeladen, diese mit ihnen zu gestalten. So wurde aus dem Arrangement von Hasan Uçarsu wahrlich ein Schweizerisch-Türkisches Fest.
Selina Beltrani