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Jugend 28.06.2018

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Grosse Ehre für den Kinderchor Sumvitg

Im März 2018 begab sich eine Delegation des Vorstandes der SRG SSR Svizra Rumantscha (SRG.R) nach Sumvitg, um dem Kinderchor Sumvitg während einer Probe die Nachricht zu überbringen, dass er den SRG.R Preis 2018 erhält.

Der Überraschungseffekt glückte, denn weder der Vorstand noch die Mitglieder des Kinderchors wussten davon, wie RTR in einer Mitteilung schreibt.

Besonders der grosse Einsatz für die Gesangskultur des chor d`affons Sumvitg überzeugte den SRG.R Vorstand bei ihrer Wahl, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Es sei fast ein Phänomen, dass sich über 50 Mädchen und Buben fürs Singen im Chor interessieren würden. Heutzutage sei das Angebot an Freizeitbeschäftigungen so gross, dass „Singen im Chor“ normalerweise nicht zuoberst auf der Hobbywunschliste stehe.

Zu diesem Erfolg habe mit Sicherheit auch das Lied „In siemi“ beigetragen, welches im Jahr 2011 die Schweizer Hitparade stürmte. Komponiert wurde es von Gion Balzer Casanova und eingesungen vom chor d`affons Sumvitg.

Der Preis, welcher mit 8000 Franken dotiert ist, wurde offiziell am 26. Mai, anlässlich der Generalversammlung der SRG.R in Landquart übergeben.

Quelle: Südostschweiz, 27.3.18

Der chor d`affons Sumvitg steht unter der Leitung von Flavia Walder-Hublard. Die Dirigentin ist sehr engagiert und motiviert. Dieses Jahr konzertierte der Chor gemeinsam mit Erwachsenen. Das gibt frisches Blut in die Bündner Chorlandschaft.

Die Kinder haben grosse Bühnenpräsenz und durften am Konzert auch die Ansage selber übernehmen, was sie – nebst dem Singen – mit grosser Begeisterung und wie Profis machten.

Der Bündner Kantonalgesangsverband freut sich gemeinsam mit dem chor d`affons Sumvitg über den Preis und hat deshalb mit der Dirigentin, Flavia Walder-Hublard ein Interview geführt.

 

Bild: zVg

Ihr habt dieses Jahr den SRG.R Preis 2018 erhalten. Was bedeutet dieser Preis für euch als Chor und im Besonderen für dich als Dirigentin?

In erster Linie ist es einfach nur toll, dass wir diesen Preis erhalten haben. Für uns bedeutet das aber auch, dass unser Chor und unsere Arbeit wahrgenommen wird und dass die Leute Freude an unseren Produktionen haben. Für mich als Dirigentin ist der Preis eine grosse Motivation. Ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass ich Unterstützung bekomme von vielen Fans und Personen, die meine Arbeit schätzen. Der Preis ist aber auch eine Wertschätzung an unseren Vorstand, der sich für den Kinderchor und unsere Gesangskultur engagiert. Ohne ihr Engagement könnte ich den Chor nicht so führen, wie ich es tue.

 

Habt ihr im Vornherein wirklich nichts davon gewusst?

Ich schwöre...Nein!

 

Was ist passiert, als der Präsident Oscar Knapp in der Probe aufgetaucht ist?

Im ersten Moment habe ich gar nichts kapiert und habe einfach mit den Kindern weitergesungen. Oscar Knapp hat uns dann mit ganz lieben Worten die Mitteilung überbracht, dass wir den Preis der SRG.R erhalten. Es ist mir aufgefallen, dass Oscar Knapp Kinder sehr mag und sofort mit ihnen in Kontakt tritt. Das finde ich sehr schön und sympathisch. Sofort wurde die Stimmung locker und wir hatten es lustig zusammen.

 

Du bist innovativ und traust dich an neue Projekte – ist dieser Preis der Lohn für deine Arbeit?

Lohn ist nicht das richtige Wort. Anerkennung würde ich es nennen. Den Lohn bekomme ich wöchentlich während der Chorproben und zwar direkt von meinen Sängerinnen und Sängern. Sie belohnen mich mit ihrem Einsatz, mit ihrem Lachen, ihrer Jugend, ihrer Frische und schlussendlich mit ihren schönen Stimmen.

 

Erzähl doch etwas über die Geschichte des Chor d`affons Sumvitg…. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es euch ja bereits 20 Jahre.

Der Chor d’affons Sumvitg wurde vor 20 Jahren von Retus Giger, ehemaliger Präsident des Bündner Chorverbandes, gegründet. Nach diesem Start wuchs der Chor von Jahr zu Jahr und ermöglichte immer mehr Kindern in einer Gruppe zu singen. Mario Pacchioli übernahm den Chor für zwei Jahre und übergab ihn dann an Corina Schmed. Im Jahre 2006 durfte ich dann Chor übernehmen. Vermehrt kamen Anfragen, ob auch Kinder aus anderen Gemeinden mitsingen dürfen. Dies erfreut uns natürlich, und so singen heute Kinder von Laax bis Sedrun bei uns. Speziell finde ich, dass die meisten Kinder als kleine Sänger bei uns zu singen beginnen und bis zum letzten Schuljahr bleiben. Ich darf sie so ein Stück ihres Lebens begleiten und sehe ihre Entwicklung. Dies ist eine wertvolle Erfahrung für mich und bringt mich den Kindern oftmals sehr nahe.

 

Wie sieht deine „chorische“ Laufbahn aus? Hast du vor dem Bündner Jugendchor auch in Kinderchören mitgesungen?

Leider habe ich nie in einem Kinderchor gesungen. Dies war ein grosser Traum von mir als kleines Mädchen. Meine Eltern sangen im gemischten Chor Suraua und so sang ich ihre Lieder, was mir auch gefiel. Mein Feuer für das Chorsingen wurde mit dem Eintritt in den Gymichor des Kloster Disentis entzündet. Ich hatte riesige Freude, grosse Chorwerke, vor allem klassische Werke, zu singen. Als 16-Jährige trat ich dann dem Cantus Firmus Surselva bei und singe seither unter der Leitung von Clau Scherrer im Chor. Ein Jahr habe ich dann auch im Bündner Jugendchor gesungen. Dies war, bevor ich mein Studium als Musik-und Bewegungspädagogin begonnen habe. Zu dieser Zeit hat mich dann das Dirigieren gepackt und so habe ich die verschiedenen Chorleiterkurse besucht. Nach dem Studium habe ich noch eine Zusatzausbildung als Kinder-und Jugendchorleiterin gemacht. Ich dirigierte den gemischten Chor Riein, seit dem Jahre 2006 den Chor d’affons Suvmitg und seit 2010 dirigiere ich unseren Dorfchor, il chor mischedau Sevgein.

 

Du hast heuer ein Projekt durchgeführt, bei welchem Kinder und Erwachsene zusammen gesungen haben. Ich finde das eine super Idee, dass ein Kinderchor Erwachsene zum Singen einlädt.

Dieses Projekt war eines der schönsten Projekte der vergangenen Jahre. Vom ersten Moment an waren wir wie eine grosse Familie. Im Erwachsenenchor sangen Väter, Mütter, Tanten, Göttis, Onkels, Grossväter, Grossmütter, Nachbarn, Lehrerinnen, Cousinen....und das Beste daran war: alle waren top motiviert. Ich habe die Proben mit den Erwachsenen ganz ähnlich gestaltet wie die Proben mit den Kindern. Somit wurden sie vor keiner Bewegung und vor keinem Spiel geschont. Aber alle haben immer alles mitgemacht. Das ist doch toll. Meine Sängerinnen und Sänger fanden es natürlich lustig zu sehen, wie die Erwachsenen sangen und sich dazu bewegten… Die Rückmeldung der Erwachsenen war sehr positiv. Vor allem konnten sie erfahren, was es heisst, einen Kinderchor zu führen und wie man gemeinsam zum Ziel kommen kann. Das Singen und Bewegen empfanden sie als grosse Herausforderung, auch das Singen in verschiedenen Sprachen sei anspruchsvoll. Schön ist, dass alle auf eine Fortsetzung hoffen.

 

Wie geht es jetzt mit dem „ausgezeichneten“ Chor weiter? Welche neuen Projekte schweben dir vor?

In meinem Kopf sind noch ganz viele Ideen. Wenn ich diese nicht mehr habe, höre ich auf mit dem Dirigieren. Momentan weiss ich aber nicht, welche Idee ich zuerst anpacken soll. Am Herzen liegt mir, dass ich meine Freude für Kinderchöre anderen weitergeben kann und andere motivieren kann, in die Kinderchorarbeit einzusteigen. Dies ist bei mir jetzt schon der Fall. Eine Chorgruppe wird von einer ehemaligen Sängerin geleitet. Wir sind ein gutes Team und können beide voneinander profitieren. Für nächstes Jahr steht schon einmal fest, dass wir am SKJF 2019 in Luzern teilnehmen werden. Diese Teilnahme ist jeweils ein Highlight für uns alle. Ich persönlich würde gerne einmal mit dem Kinderchor ein Austauschkonzert im Ausland organisieren Mit den Sängerinnen und Sänger zu verreisen ist nämlich ganz toll.

 

Was möchtest du anderen Kinderchören mit auf den Weg geben?

Bleibt neugierig, offen, unterstützt einander und vergisst nie, dass das Singen im Chor Spuren fürs Leben hinterlässt.

 

Liebe Flavia, ich danke dir herzlich, dass du dir die Zeit die Beantwortung der Fragen genommen hast und wünsche dir und dem chor d`affons Sumvitg alles Gute, viel Erfolg, Spass und Freude am Singen!

 

Mit Flavia Walder-Hublard sprach Jeannette Meier Valer.

Bild: zVg

Bild: zVg

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Jeannette Meier Valer