Geschichte der SCV - Übersicht

Eidgenössischer Sängerverein (1842-1977)

Einige deutschschweizer Männerchöre gründeten am 4. Juni 1842 in Aarau den Eidgenössischen Sängerverein. Er bildete während 70 Jahren der einzige Landesgesangverband. Der Sängerverein gab zahlreiche Liederbücher heraus und führte mehrmals Kompositionswettbewerbe für neue Männerchorlieder durch. Auf seine Initiative geht der Eidgenössische Singsonntag zurück, der erstmals mitten im Zweiten Weltkrieg am 7. Juni 1942 stattfand. Zweck war, durch gemeinschaftliches Singen in Stadt und Land, auf Plätzen und in Kirchen das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem Land zu stärken und  die Verbundenheit mit den Soldaten zu zeigen.
Am machtvollsten trat der Sängerverein zwischen 1843 und 1973 an den 30 Eidgenössischen Sängerfesten an die Öffentlichkeit. Gesungen und gerungen wurde um Punkte und Kränze: Die Chöre sangen in bis zu vier Kategorien; innerhalb dieser wurde rangiert und je nach Punkten gab es Lorbeer- oder Eichenkränze mit und ohne Schleifen. Der geschichtsbewusste Männerverein beging alle 25 Jahre ein Jubiläum. Die Zentenarfeier 1942 am Gründungsort Aarau war zugleich eine eindrucksvolle Demonstration des schweizerischen Wehrwillens. Vaterländische Ansprachen hielten unter anderem  Bundespräsident Phhilipp Etter wie auch die Präsidenten des National- und Ständerats. Am Jubiläum nahmen auch die Regierungen der Kantone Aargau und Basel-Stadt teil.
Der Verein gab ein eigenes Organ heraus, deren Jahrgänge anschaulich und informativ die Geschichte und Entwicklung dieses markanten Landesgesangverbands dokumentieren. Das vollständig erhaltene Archiv des Eidg. Sängervereins wurde 2001-2002 neu geordnet und befindet sich im Generalsekretariat der Schweizerischen Chorvereinigung im Haus der Musik in Aarau. Der letzte Präsident des Sängervereins, Max Diethelm, Dornach SO, wirkte auch als erster Präsident der Schweizerischen Chorvereinigung.
Stand bei der Auflösung 1977: 11 275 Sänger in 238 Männerchören

Schweizerischer Verband Gemischter Chöre (1910-1977)

Der Verband gab sich bei der Gründung einen zweifachen Zweck:
- Beschaffung von "geeignetem, gutem Gesangsstoff"
- Abhaltung von Sängerfesten
Der Schwerpunkt dieses Verbands lag in der Deutschweiz und in Romanischbünden. Westschweizer Gemischte Chöre waren nur vereinzelt im Verband, Tessiner überhaupt keine. Der Verband kam nie über 40 Chöre hinaus, dies bei einem geschätzten Bestand von rund 500 Gemischten Chören in der Schweiz. Das Hauptproblem war finanzieller Art: Viele Chöre waren bereits Mitglied eines Regional- und/oder Kantonalgesangverbands und scheuten deshalb weitere finanzielle Verpflichtungen. An den zwölf Verbandsgesangfesten war jeweils mindestens ein Drittel Gastchöre. Im Gegensatz zum Eidg. Sängerverein kannte der Verband – wie auch der Verband der Frauenchöre – keine Kategorien und auch keine abgestuften Kränze.
Der Verband gab vier Gesangbücher mit Gemischtchor-Liedern heraus.
Stand bei der Auflösung 1977: etwa 1800 Sängerinnen und Sänger in 31 Gemischten Chören.
Zeitschrift: Sänger-Bote (1950-1977). Es bestand ein Abonnement-Obligatorium für 10 % der Mitglieder – im Minimum vier Exemplare pro Verbandsverein!

 Verband schweizerischer Frauen- und Töchterchöre (1942-1977)

Zwei Vorkommnisse lösten die Gründung dieses Verbands aus:
- Die Berner Frauenchöre fühlten sich in ihrem Kantonalverband ständig benachteiligt.
- 1942 schrieb der Eidg. Sängerverein zu seinem 100 Jahr-Jubiläum einen Wettbewerb für neue Werke für Männer- und Gemischte ChöJuni 28, 2007nd der Wettbewerb unter dem Patronat von Bundespräsident Philipp Etter stand, waren die Frauenchöre ausdrücklich davon ausgenommen.
Dies betrachteten die Frauenchöre als Affront und Anlass, sich in einem eigenen Verband zu organisieren. Die Initiative ging vom Berner Frauenchor unter Präsidentin Olga Kneubühl aus. An der Gründung beteiligten sich 67 Chöre; 1951 umfasste der Verband 1602 Sängerinnen in 46 Chören. Allein in der Deutschschweiz zählte man damals Juni 28, 2007z dürfte deshalb der Verband weniger als 10 % aller schweizerischen Frauenchöre umfasst haben. Von Ausnahmen abgesehen war und blieb der Verband ein Zusammenschluss von Deutschschweizer Chören. An den zehn Singtreffen war – wie bei den Gemischten Chören – jeweils mindestens ein Drittel Gastchöre.
Stand bei der Auflösung 1977: 1027 Sängerinnen in 32 Frauen-, Damen- und Töchterchören
Zeitschrift: Die Schweizer Sängerin (1946-1977).

Die Schweizerische Chorvereinigung (SCV)

Die SCV wurde am 14. Mai 1977 in Bern gegründet und ist die Nachfolgevereinigung folgender drei Landesgesangverbände: Eidgenössischer Sängerverein (Männerchöre), gegründet 1842 in Aarau, Schweizerischer Verband Gemischter Chöre (1910) und Verband Schweizerischer Frauen- und Töchterchöre (1942). Diese drei Verbände wiesen bei ihrer Auflösung bzw. Überführung in die SCV 1977 folgende Bestände auf:
- Eidgenössischer Sängerverein: 11 275 Sänger in 238 Männerchören
- Schweizerischer Verband Gemischter Chöre: etwa 1800 Sängerinnen und Sänger in 31
  Gemischten Chören
- Verband Schweizerischer Frauen- und Töchterchöre: 1027 Sängerinnen in 32 Frauen-,
  Damen- und Töchterchören

Diese drei Verbände und weitere schweizerische Gesangverbände waren seit 1941 in der Vereinigung schweizerischer Chorverbände (VSC) zusammengeschlossen. Dank dieser losen Vereinigung kam unter dem rührigen Berner Ernst W. Eggimann 1977 die Gründung der SCV zustande. Ziel dieses landesweiten Zusammenschlusses war - wie bereits im Sport und in der Kultur - eine straffere Organisation, um den weltlichen Laienchorgesang in allen Aspekten besser zu fördern:
- Aus- und Weiterbildung von Sängerinnen und Sängern, Dirigentinnen und Dirigenten,
  Expertinnen und Experten,
- Schaffung und Verbreitung neuer Chorliteratur, u.a. Choralia Helvetica,
- Durchführung von Schweiz. Gesangfesten, Chorwettbewerben und Chortreffen,
- Förderung des Nachwuchses, von Kinder- und Jugendchören,
- Bessere Präsenz in den Medien und in der Öffentlichkeit,
- Herausgabe einer Schweiz. Chorzeitung,
- Anerkennung durch die kulturellen Institutionen des Landes,
- Zusammenarbeit mit verwandten Verbänden und Institutionen im In- und Ausland.

Der SCV gehören direkt keine Chöre oder Sängerinnen und Sänger an. Ihre Mitglieder sind die 18 Kantonal- und drei interkantonalen Gesangverbände. Die SCV zählt etwa 54 000 Sängerinnen und Sänger, organisiert in etwa 140 Kinder- und Jugendchören, 220 Frauenchören, 510 Gemischten Chören, 840 Männerchören und 40 Kirchenchören – total über 1900 Gesangvereine in allen Landesteilen und Kantonen. Verbandsorgan ist seit 2002 „chorus“ (1978-2001:  Schweizerische Chorzeitung), das in deutscher, französischer, italienischer und rätoromanischer Sprache Artikel, Mitteilungen sowie Daten und Hinweise über den Chorgesang enthält. 
Seit der Gründung der SCV fanden drei Schweizerische Gesangfeste statt: 1982 in Basel, 1991 im Kanton Luzern und 2000 im Kanton Wallis. Das nächste "Eidgenössische" ist 2008 in Weinfelden TG geplant. Glanzvolle Höhepunkte in der Geschichte der SCV sind neben diesen Festen zum Beispiel die medienwirksamen Veranstaltungen zum Europa-Jahr der Musik 1985,  das imposante Eurochor-Festival 1994 in Interlaken und seit 1988 die bisher sieben Schweizerischen Chorwettbewerbe.

Zentralpräsidenten: Max Diethelm, Dornach SO                         1977-1985
                   ....              Ernst Kleiner, Oberrieden ZH                     1985-1993
                     ....           Jean-Pierre Salamin, Grimentz VS             1993-2005
                    ....            Gody W. Widmer, Sursee LU                       2005-

Organe der SCV sind die Geschäftsleitung, der Zentralvorstand, die Musikkommission, die Kontrollstelle und die Delegiertenversammlung. Die Musikkommission als das eigentliche Fachorgan der Vereinigung befasst sich mit allen Fragen der musikalischen Aus- und Weiterbildung der Sänger, Dirigenten und Experten sowie mit neuer Chorliteratur und mit der Nachwuchsförderung.
Das Generalsekretariat – bis 2004 Zentralsekretariat bzw. Geschäftstelle - war zwei Jahrzehnte in Zürich und findet sich seit 1998 im stilvollen Haus der Musik am Gönhardweg 32 in Aarau. Seit dem Jahre 2000 ist ebenfalls das sehr umfangreiche Archiv, das auch die Akten der Vorgängerverbände enthält, im Generalsekretariat untergebracht.
  
Die ersten zehn Jahre ihres Bestehens und damit den Abschluss der Aufbauphase feiert die SCV mit viel Publizität 1987 an der festlichen Delegiertenversammlung in Solothurn. Nach 15 Jahren (1992) wird zugleich der Gründung des Eidgenössischen Sängervereins vor 150 Jahren (1842 in Aarau) gedacht. Zum 20 Jahr-Jubiläum 1997 erscheinen ein Rückblick von Zentralpräsident Jean-Pierre Salamin und eine Spezialnummer der Schweizerischen Chorzeitung. Nach 25 Jahren ihres Bestehens tritt die SCV nicht mit eindrucksvollen Anlässen an die Öffentlichkeit, sondern präsentiert ihren Mitgliedern drei abgeschlossene „Hausaufgaben“: die neue Zeitschrift „chorus“ anstelle der bisherigen Schweizerischen Chorzeitung, den Internet-Auftritt und die Reorganisation des grossen Archivs.

Louis Hürlimann, SCV-Archivar
21. April 2006/hul

Druckversion dieser Seite