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Von Lukas Bolt

Das so genannte «Chorsterben» ist in vieler Munde. Fast in jedem Interview werde ich darauf angesprochen, an beinahe jeder Delegiertenversammlung wird kommuniziert, dass wieder ein Mitgliedschor weniger im Verband ist – der Grund: zu wenig Sängerinnen und Sänger.

Ich darf mich glücklich schätzen, mich an stetig wachsenden Mitgliederzahlen in allen meinen Chören zu erfreuen. Das geschieht nicht «einfach so», sondern dahinter steckt viel Arbeit. Nicht der einzige Grund, aber ein wichtiges Puzzleteil in der Akquisitionsarbeit sind Grossprojekte und verschiedene, auf die Bedürfnisse der Sängerinnen und Sänger zugeschnittene Projektmodelle.

Selbstverständlich möchte auch ich die Sängerinnen und Sänger dazu bewegen, regelmässig in Chören zu singen. Singen ist eine extrem vielseitige Körperarbeit und bedarf regelmässigem Training. Alle paar Wochen einige wenige Proben zu besuchen und dann möglichst rasch auf grossen Bühnen zu glänzen, ist definitiv nicht das, was ich grundsätzlich fördern möchte, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Ich weiss, dass regelmässige Auszeiten in der Chorprobe so wohltuend und entspannend sind. Aber viele neue Sängerinnen und Sänger haben das noch nicht für sich entdeckt. Erstmal haben wir alle genug Termine und Verpflichtungen und möchten nicht noch mehr oben drauf packen. Da kommt doch so ein Projekt von zwei Monaten oder so grad gelegen...

Es ist erwiesen, dass es in erster Linie zwei Gründe gibt, in einem Chor zu singen. Einerseits das soziale Netzwerk und andererseits die Person des Chorleiters. Selbstverständlich spielen auch noch andere Aspekte, wie Repertoire, politische oder religiöse Gesinnung u.a. eine Rolle. Wenn Sie sich aber nicht wohlfühlen in der Gruppe, oder Ihnen der Chorleiter nicht zusagt, dann werden Sie das nicht lange mitmachen. Demnach muss ich es schaffen, die potenziellen Sängerinnen und Sänger überhaupt mal in eine Chorprobe zu bewegen. So lernen sie einerseits mich als Chorleiter kennen und grad auch die neuen „Gschpändlis“.

Viele haben Hemmungen einfach so mal in einen Verein schnuppern zu gehen. Die schon bestehenden starken Banden zwischen den Mitgliedern schrecken sie eher ab und sie kommen sich als „Eindringlinge“ vor. Bei einem Projekt wissen sie, dass sie nicht die einzigen „Neuen“ sein werden. Und so bleiben nach einem Projekt erfahrungsgemäss immer einige Sängerinnen und Sänger in einem Verein hängen. Genau das ist mein Ziel.

 

Veranstaltungshinweis

Konzert "Sehnsucht nach Vollendung" in der Tonhalle St. Gallen am 23. Juni 2018 um 19.30 Uhr

Werke:

-Felix Mendelssohn: Psalm 42 «Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser»

-Felix Mendelssohn: Psalm 43 - 8-stimmige Motette «Richte mich Gott»

-Franz Schubert: Sinfonie «Die Unvollendete»

-Franz Schubert: 4 Lieder für eine Singstimme, orchestriert von Franz Liszt

Mitwirkende: 

-Chorkreis St. Gallen + stimmmix (zwei bestehende Chöre/Vereine)

-Projektsängerinnen und Projektsänger – total 130 Sängerinnen und Sänger

-Sinfonietta Vorarlberg

-Anne Bretschneider, Sopran

-Lukas Bolt, Leitung

Weitere Informationen unter:

www.chorprojekte.com

Flyer Konzert "Sehnsucht nach Vollendung"