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Das italienische Städtchen wurde komplett gefüllt. Schon Monate vorher war in Chiavenna jedes Zimmer schon gebucht. Und das gute Wetter sorgte für noch mehr Gäste. Die Cafés und Beizen füllten sich, kein Gelato ohne anzustehen. Auch die Gassen waren voll. Wer von A nach B wollte, muss fünf Minuten mehr einplanen und immer wieder ausweichen.

Die ganze Stadt war ein Festzelt. Alle paar Meter hört man den nächsten Chor, die mit «Inviva» anstossen oder dem Chor am Nachbartische zeigen wollten, dass sie mindestens auch so laut singen können. Mürrische Gesichter sah man selten. Leute mit verschiedenen Logos auf den Polohemden grüssten sich, erzählten von ihrem Auftritt und stiessen dann an. Der eigentlich kitschige Spruch «Musik verbindet» (auch Motto des Festes) konnte man hier für einmal auch beobachten.

Italienische Nachbarn

Am Samstag Abend fand das erste Galakonzert statt. Auf dem Programm: der Italienische Jugendchor und wir, der Bündner Jugendchor. Zwei Lieder sangen wir gemeinsam. Dafür gab’s fünfzehn Minuten Probe. Während die beiden Dirigenten musikalische Details besprachen, lernten sich die Chöre kennen. Wenn nicht mit Italienisch, halt auf Englisch. Wie viel probt der andere Chor, woher kommen die Sänger – etwas Smalltalk unter Chören halt.

Etwa eine Stunde später, das Konzert. Wir standen bereit, noch ein paar Sprüche, dann präsentierte der Ansager den «Corale Giovanile Grigione». Nach einer halben Stunde kantonaler Jugendchor, dann die italienischen Kollegen. Schon ihr erster Akkord strahlte, man merkt, der Chor hat’s drauf. Der italienische Chor sang klassische Musik, von Bach bis Gabrieli. Klassische Musik vom Besten. Zuhören ist aber einiges anstrengender als bei unserer Unterhaltungsmusik. Doch auch für sie gab’s Standing Ovation.

Alla prossima volta!

Für die gemeinsamen Stücke füllten wir nochmals den Chor der Kirche. Nach dem ersten Stück, grinste der Bassist neben mir. Hab ich falsch gesungen, fragte ich. Nein, es mache einfach Spass zusammen zu singen, seine Antwort. Beim zweiten Stück «La sera sper il lag», musste ging’s mir gleich. Beim Applaus, ein Blick nach rechts, ein Nicken, und wieder ein Lächeln.

Zurück in der Garderobe. Jeder Chor klatschte nochmals für den anderen. Zum Abschluss, «Ooohhh»: eine La-Ola Welle. Danach gingen wir wieder auseinander. Sie gingen essen, wir suchten freie Plätze in einer Bar. Ich hätte gerne mehr mit ihnen geredet oder noch ein paar Lieder gesungen. Vom Bassist neben mir konnte ich mich noch verabschieden: «Grazie mille e alla prossima volta».

Bild: RTR/ Dominik Hardegger